Rückblick FIW Wärmeschutztag 2012

Bedeutung der Energieeffizienz im Rahmen der Energiewende. Konzepte! Umsetzung?

Unter dem Motto „Bedeutung der Energieeffizienz im Rahmen der Energiewende. Konzepte! Umsetzung“ fand am 15. Juni 2012 im Haus der Bayerischen Wirtschaftin München der Wärmeschutztag 2012 des FIW München statt.

Klaus-W. Körner, Vorstandsvorsitzender des FIW München, Vorstandsvorsitzender des FIW München, freute sich, neben dem Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Gesundheit Dr. Marcel Huber, MdL weitere Persönlichkeiten und 250 Teilnehmer zu diesem Wärmeschutztag begrüßen zu dürfen. In seinen Ausführungen, die sich mit dem Thema „Das FIW im Umfeld von Energieeffizienz und Klimawandel“ befassten, ging er darauf ein, dass das Institut, das eigens zum Zwecke der Verbesserung des Wärmeschutzes von Gebäuden und industriellen Prozessen – heute Energieeffizienz – vor annähernd 100 Jahren gegründet wurde, sich auch den aus der beschlossenen Energiewende ergebenden Aufgaben und den Folgen des Klimawandels stellt. Beides sei nicht voneinander abzukoppeln, so Körner. „Vom Gelingen des Umbaus der Energieversorgung und dem damit ausgelösten enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwandlungsprozess hängen Fragen der künftigen Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, des Erhalts unseres Wohlstands durch Vermeidung von sozialen Verwerfungen, d.h. die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands ab, aber auch die Bewältigung des globalen Klimawandels.“ Weitere Kernpunkte in Körners Ausführungen waren, dass die beschworene Energiewende ohne eine Verbesserung der Energieeffizienz Utopie ist und der Gebäudebestand innerhalb der Energieeffizienz eine dominante Rolle spielt.  „Hier liegt das größte, kurzfristig zu aktivierende, wirtschaftlich zu erschließende und ökologisch herausfordernde Potenzial. Deshalb ist nicht nur die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen, sondern auch die Sanierungsrate auf mindestens zwei Prozent des Gebäudebestands annähernd anzukoppeln. Um das zu erreichen, sind planbare und verstetigte finanzielle Anreize, d.h. eine langfristig stabile Förderkulisse notwendig, die auch eine steuerliche Komponente und mietrechtliche Anpassungen enthalten muss.“

Dr. Marcel HuberOffiziell eröffnet wurde der Wärmeschutztag 2012 durch ein Grußwort des Bayerischen Staatsministers für Umwelt und Gesundheit Dr. Marcel Huber, MdL. Der Minister sagte, die Bedeutung des FIW München sei heute größer denn je. „Ursprünglich gründeten Sie sich 1918, um wissenschaftliche Grundlagen des Wärme- und Kälteschutzes voranzutreiben. Fast 100 Jahre später ist aus dem FIW München eine moderne Forschungseinrichtung, eine Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle von Dämmstoffen und Bauteilen geworden. Dazu gratuliere ich herzlich“, so Dr. Huber.

Im Lauf des Tages folgten über 20 Einzelreferate verteilt auf zwei Räume, so dass die Teilnehmer je nach Interessenslage wechseln konnten. Gut die Hälfte der Vorträge befasste sich mit dem Hochbau, die andere mit der industriellen Dämmung.

Dr. Matthias MetzDr. Matthias Metz, Vorsitzender des Vorstands der Bausparkasse Schwäbisch Hall, referierte zum Thema „Der deutsche Wohnungsbestand ist in die Jahre gekommen – Finanzierungsaufgaben in der Gebäudesanierung“. Im Vortrag von Dr. Metz wurde deutlich, dass im Sektor Gebäude-Energieeffizienz noch ein beachtliches, nicht gehobenes Potenzial liegt und, dass es sehr wohl möglich ist, durch Förderanreize privates Kapital zu mobilisieren. Dr. Metz: "Dieses Kapital ist vorhanden, wartet gleichsam auf den Abruf. Denn die Energiewende und ihr Gelingen haben weit über unsere Generation hinausgehende Bedeutung für Wohlstand und Nachhaltigkeit und die Bausparer können diese Aufgabe stemmen".

Ein weiterer Vortrag kam von Architekt Dr. Burkhard Schulze Darup vom Architekturbüro Schulze Darup & Partner aus Nürnberg. Er sprach über „Sanierung mit Faktor 10 – Projektbeispiele mit Monitoring-Ergebnissen“. Es wurde eindrucksvoll klar, dass energieeffiziente Maßnahmen bzw. Nachrüstungen nicht nur theoretischer Natur sind. Im Gegenteil, ihre Anwendung wird permanent praktiziert und ist wirtschaftlich. Anhand von Projektbeispielen mit Monitoring-Prozessen hat Dr. Schulze Darup so manche falsche mediale Darstellung wieder zurecht gerückt.

Der Tagesveranstaltung folgte im Hotel Vier Jahreszeiten der gesellige Abend zum Wärmeschutztag 2012, der mit drei Höhepunkten aufzuwarten wusste.

Den ersten bildete die Rede von Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer, MdB. Der Minister dabei wörtlich: „Vielen von uns mag es so erscheinen, dass Wärmeschutz erst ein Thema der vergangenen zehn, 20 Jahre ist. Gerade jetzt angesichts des Klimawandels hat das Thema zweifellos Konjunktur. Das Bewahren von Energie mit Hilfe moderner Dämmung und hocheffizientem Mauerwerk ist eine der Grundvoraussetzungen, um die Energiewende meistern zu können.  Der Gebäudebereich hat für die Bundesregierung ohne Frage eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. 40 Prozent des Endenergieverbrauchs finden im Gebäudebereich statt. Die energetische Sanierung des Gebäudebestands, die Steigerung der Energieeffizienz im Verkehrssektor und die Umstellung auf eine erneuerbare Energieversorgung haben daher eine zentrale Bedeutung. Die Expertise des FIW ist also gefragt.“
Klaus-W. Körner nahm im Beisein von Bundesbauminister Dr. Ramsauer die Gelegenheit wahr, nochmals darzustellen, dass neben ordnungs- und förderpolitischen Gegebenheiten auch das Steuerrecht den notwendigen ökologischen Umbau begleiten muss und bedankte sich gleichzeitig für die bisher von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten förderpolitischen Maßnahmen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass nicht verbrauchte Energie die höchste Stufe von Energieeffizienz und die beste heimische Energiequelle ist. „Sie macht unabhängig von teuren Energieimporten und hochsubventionierten oder die ökologische Bilanz verschlechternden Energieträgern, d.h. Energieeffizienz ist der beste Schutz gegen höhere Energiepreise. Das FIW München wird im Sinne der Wahrnehmung einer Generationsverpflichtung das vorhandene Wissen, die Fachkompetenz und die gegebene Reputation in den notwendigen Dialog zwischen politischem Rahmengeber, produzierender Industrie, gewerblichen Verarbeitern wissenschaftlich und mit Forschungsaktivitäten sowie durch Austausch und Aufklärung einbringen mit dem Ziel, aus der Generationsverpflichtung Generationsgerechtigkeit entstehen zu lassen. Dazu ist es aber auch notwendig, eine weitere Grundlage für Handlungsstrategien zur Auflösung und Überwindung der vielfach noch vorhandenen Hemmnisse und Informationsdefizite im Gebäudebereich zu schaffen. Das sollte durch die diesjährige und auch künftige Ausrichtung des Wärmeschutztags deutlich und durch praktische Anwendungsbeispiele unterlegt werden. Zusammengefasst muss eine Entkoppelung von Wertschätzung und Energieverbrauch durch Steigerung der Energieeffizienz und Produktivität angestrebt werden.“

Der zweite Höhepunkt des Abends fand sich in der Laudatio von Klaus-W. Körner auf den scheidenden Geschäftsführer Dr. Roland Gellert und die offizielle Amtsübergabe an seinen Nachfolger Prof. Dr.-Ing.
Andreas Holm
wieder. Körner dankte Dr. Gellert für seine zwölf Jahre lange erfolgreiche Institutsführung und bescheinigte ihm eine tadellose Arbeit in durchgehend großer Bescheidenheit. Im Namen des Vorstands des FIW München verlieh Klaus-W. Körner Dr. Gellert die Ehrenmitgliedschaft des FIW. Als Abschiedsgeschenke gab es für den passionierten Golfer und Hobbykoch zwei passende Gutscheine. Prof. Holm gab Klaus-W. Körner die besten Wünsche mit auf den Weg für seine neue verantwortungsvolle Aufgabe im FIW München.

Der dritte Glanzpunkt kam musikalisch daher, was einem weiteren Ehrengast des Abends besonders gefiel, dem Präsidenten des Bayerischen Musikrats Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel, MdL. Prof. Dr. Karl Gertis, Ehrenmitglied des FIW München und seines Zeichens auch Komponist, schenkte dem FIW München eine eigens komponierte Hymne und gab sie in einer Uraufführung mit einem Blechbläserquartett zum Besten. Das Publikum zeigte sich begeistert und Klaus-W. Körner regelrecht gerührt. Prof. Gertis übergab ihm die Noten zum Stück und meinte, es sei eine gute Sache, wenn das FIW München bereits sechs Jahre vor seinem 100. Geburtstag rechtzeitig eine eigene Hymne habe.

Das FIW kann somit zufrieden auf einen äußerst gelungenen Wärmeschutztag 2012 zurückblicken und freut sich, im nächsten Jahr wieder Gastgeber in München zu sein.

Alle Fachvorträge vom Wärmeschutztag 2012 sind zum kostenfreien Download hier eingestellt.