FIW München - FIW news

November 2018

 
 
 Zum FIW Jubiläum
 

„Im Vordergrund des allgemeinen Interesses ...

... steht heute der Wohnungsbau, besonders aber die Herstellung von Kleinwohnungen. … Die Erzielung geringer Baukosten … haben nun den Boden für Bauweisen geebnet, die … eines ausreichenden Wärmeschutzes entbehren. Den etwas niedrigeren Kosten für den Neubau steht daher ein beträchtlicher Mehraufwand an Beheizungskosten gegenüber. …“

Diese heute immer noch aktuellen Themen waren bereits im Gründungsjahr des FIW von entscheidender gesellschaftlicher Bedeutung. Spannend ist aus heutiger Sicht die bereits 1918 erschienene Veröffentlichung „Der Wärmeschutz von Gebäuden“ zu lesen. Diese „Mitteilung aus dem Forschungsheim für Wärmewirtschaft“ von Dr.-Ing. K. Hencky, dem ersten Leiter des heute 100-jährigen Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V. München (FIW), könnte auch aktuell geschrieben worden sein.

Die Gründungsjahre des FIW waren sehr turbulent. Während und nach dem Ersten Weltkrieg mangelte es an Heiz- und Baumaterial, während zugleich der Bau von zehntausenden Wohnungen anstand. Der Wärmeschutz und dessen wissenschaftliche Erforschung bekam eine ungekannte Notwendigkeit – und das Forschungsheim als Gemeinschaftsforschungseinrichtung eine Vorreiterrolle. Zudem mussten unabhängige Qualitätssicherungsmaßnahmen getroffen werden, um einen fairen Wettbewerb der am Markt vertretenden Firmen und einen schonenden Einsatz vorhandener Ressourcen sicherzustellen. Mehr über die Gründung erfahren Sie in unserem ersten Teil „Der Beginn einer mittlerweile 100-jährigen Geschichte“.

Der Beginn einer mittlerweile 100-jährigen Geschichte

Das Gründungsjahr des FIW war ein ereignisreiches Jahr: Der Erste Weltkrieg tobte, die spanische Grippe grassierte, und im Januar 1918 kam es zu großen Massenstreiks gegen den Krieg, ausgelöst unter anderem durch die kriegsbedingt schlechte Versorgung mit Nahrungs- und Heizmitteln. Die Nachfrage nach Wärmeschutz war dabei schon seit 1916 zu einer kriegswichtigen Angelegenheit geworden: Während vor dem Krieg das ganze Jahr über Kohlen eingelagert wurden, mit denen Privathaushalte sich im Winter versorgen konnten, verschlang die Kriegsproduktion nun die gesamte verfügbare Kohle. Der dadurch ausgelöste Mangel an Heizmitteln machte den bis dahin vernachlässigten Wärmeschutz in den Privathaushalten deutlich spürbar.

Eines der früh auf dem Gebiet des Wärmeschutzes aktiven Unternehmen war die seit 1878 bestehende „Fabrik chemisch-technischer Produkte von Grünzweig & Hartmann oHG“. Deren Gründer Dr. Carl Grünzweig arbeitete mit einem der wenigen im Bereich des Wärmeschutzes tätigen Wissenschaftler zusammen, um wissenschaftliche Erkenntnisse über den tatsächlichen Wärmeschutz der Dämmstoffe zu erlangen: Oscar Knoblauch, Leiter des Laboratoriums für technische Physik an der Königlich-Technischen Hochschule zu München. Doch er war damit nicht allein. Ab 1907 lässt sich eine regelmäßige Nachfrage von Gutachten für verschiedene Isoliermittelhersteller am Laboratorium nachweisen. Die schiere Menge an Gutachten und weitere Überlegungen brachten Knoblauch dazu, dem Sohn von Carl Grünzweig, Max Grünzweig, die Gründung eines von der Industrie finanzierten eigenständigen Forschungsheims zu empfehlen.

Einige Isoliermittelhersteller manipulierten ihre Gutachten zu Werbezwecken. Statt ein tatsächlich durchschnittliches Dämmstofferzeugnis zur Prüfung einzuschicken, hatten diese qualitativ höherwertige Erzeugnisse übersandt, die zwar bessere Wärmeleitzahlen vorweisen konnten, aber nicht den zum Verkauf stehenden Produkten entsprachen. Als staatliche Einrichtung konnte das bestehende Laboratorium von Knoblauch die Gutachten nur für eingesandte Proben erstellen. Das heute unter der Abkürzung bestens bekannte FIW München hingegen sollte die in der Praxis verwendeten Stoffe möglichst vor Ort testen und dadurch zu einer unabhängigen und qualitativ hochwertigen Prüfstelle, einer Institution im Bereich Wärmeschutz, aufsteigen. Die Gründer hofften damit, die von beschönigten Gutachten angetriebene Konkurrenz einzudämmen und in eine „friedliche Zusammenarbeit“ im Sinne eines besseren Wärmeschutzes zu überführen.

Eine zweite wesentliche Aufgabe sollte die Erforschung von wissenschaftlichen Zusammenhängen und die Suche nach qualitativ und wirtschaftlich überzeugenden Dämmstoffen und Dämmstoffsystemen sein. Während des Krieges war eine Reihe von Ersatzdämmstoffen aufgrund eines Lieferengpasses von Kork entstanden, die einer Überprüfung bedurften. Etliche wissenschaftliche Grundlagen waren noch nicht geklärt, und auch für die direkte Anwendung ergaben sich viele Fragen: Wie sollten die Stoffe aufgetragen werden? In welchen Kombinationen erfüllten sie den größtmöglichen Wärmeschutz? Wie dick sollten die Dämmschichten sein?

Am 18. September 1918 war es soweit: Insgesamt sieben Isoliermittelhersteller gründeten auf Anregung von Max Grünzweig das „Forschungsheim für Wärmewirtschaft München“, das zukünftig den Gründern als beratende Instanz zur Seite stehen sollte. Schon am 1. Oktober 1918 konnte es seine Tätigkeit unter der wissenschaftlichen Leitung von Karl Hencky und unter der Obhut von Oscar Knoblauch aufnehmen. Die Gründerfirmen sagten zu, 5 Jahre lang jeweils jährlich 40.000 Mark als Garantiefond zur Verfügung zu stellen.
Die an der Gründung beteiligten Unternehmen waren: Grünzweig & Hartmann GmbH – Ludwigshafen | A. Haacke u. Co. – Celle bei Hannover | Rheinhold u. Co. – Hannover |Asbest- und Kieselguhrwerke – Uelzen | Torfoleumwerke Dyckerhoff – Poggenhausen |Vereinigte Deutsche Kieselguhrwerke – Hannover |Wirtschaftliche Vereinigung des Isoliergewerbes GmbH – Dortmund.

Bis heute sind die Nachfolger der beiden erstgenannten Unternehmen Mitglied im FIW München.

100 Jahre FIW

 

Titel Sonderdruck

 

 

Impressum:

Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München
Lochhamer Schlag 4, 82166 Gräfelfing
Postfach 15 25, 82157 Gräfelfing
Tel +49 89 85800-0
Fax: +49 89 85800-40
E-Mail: info@fiw-muenchen.de
V.i.S.d.P. Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm

 
 Aktuell
 

Neue Prüfstellen- und Überwachungsstellenleiter
nach LBO:

Stephan Guess und Stefan Kutschera

Neue Gesichter für bestehende Aufgaben. In der Prüf-/Überwachungsstelle (PÜZ-Stelle) nach LBO hat es am FIW München einen Wechsel gegeben. Stephan Guess ist der neue Prüfstellenleiter, Stefan Kutschera der neue Überwachungsstellenleiter. In dieser Tätigkeit sind die Kollegen fachlich von der Weisung der Institutsleitung freigestellt, arbeiten also unabhängig von der Institutshierarchie.

Die Aufgaben der PÜZ-Stellen sind in den Landesbauordnungen und den auf ihrer Grundlage erlassenen Vorschriften und Verordnungen geregelt. Die Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern lehnen sich eng an Musterregelungen an, die von der Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der 16 Länder (Bauministerkonferenz) als gemeinsame Grundlage erarbeitet werden.

Diese Landesbauordnungen sehen unabhängige Stellen für unterschiedliche Aufgaben vor, z.B. Tätigkeiten im Rahmen der Prüfung, Überwachung und Zertifizierung oder die Erteilung allgemeiner bauaufsichtlicher Prüfzeugnisse (abP-Stelle). Das FIW München ist als Überwachungsstelle für Wärmedämmstoffe bauaufsichtlich anerkannt.

Der bisherige Prüf- und Überwachungsstellenleiter, Claus Karrer, übergibt diese Aufgabe in vertrauensvolle Hände und wird die Kunden verstärkt beim Umstieg auf die freiwilligen Zertifizierungsprogramme informieren und unterstützen. Der bisherige Stellvertreter Roland Schreiner behält seine Funktion und steht weiterhin für Kontinuität in der PÜZ-Stelle nach LBO.

Stephan Guess

Stephan Guess

Stefan Kutschera

Stefan Kutschera

 
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